Wald erleben oder
"Selber einmal in die Matsche fallen"
Das Konzept zur Umwelterziehung in der OGS an der GGS Kuhstraße
Dem 1988 entwickelten Konzept liegt die Idee zugrunde, den stets
gleichen Ort möglichst oft und über mehrere Jahre zu besuchen, zu
erleben und – auf Zeit – zu gestalten.
Durch diese intensiven Begegnungen, soll der Ort zu einerseits zu
einem persönlichen, andererseits aber auch zu einem Erlebnisort der
Gruppe werden.
Dabei soll dem (Be–)Suchenden ein möglichst großes Maß an Freiheit
vor Ort eingeräumt werden. Viele Aktivitäten ergeben sich ungeplant
vor Ort.
Witterungseinflüsse, Jahreszeiten, plötzliche Begegnungen,
Veränderungen, Stimmungen und Ideen aus der Gruppe, können immer
wieder zu einer Modifizierung der eigentlichen Planung, bis zum
völligen Verwerfen, führen.
Je nach Schwerpunkt des Waldgangs stehen Aspekte aus der Natur– und
Umwelterziehung, der Kunsterziehung (Land–Art), der Sozialerziehung
oder der Abenteuer- und Erlebnispädagogik im Vordergrund. Stets geht
es dabei um Primärerfahrung, um das "selber Ausprobieren", das
Anfassen, das ganzheitliche Erleben. Anders und etwas drastischer
ausgedrückt:
Es geht darum, selber einmal in die Matsche zu fallen.
(aus: Fortbildungskonzept für den Elementarbereich und die Primarstufe,
Köhler 1988, 1996)
Konkretisierung für die GGS Kuhstraße
Das oben beschriebene und ursprünglich für eine Klasse entwickelte Konzept lässt sich nicht 1:1 für die Offene Ganztagsschule umsetzen, da
- der Zeitrahmen von zwei Stunden zu eng ist,
- die Zeitabstände zwischen den einzelnen Besuchen zu groß sind und
- die Gruppe zu oft wechselt.
Trotzdem lassen sich Aspekte aus dem Konzept gewinnbringend für die
Gruppe verwirklichen. In Zeiten abnehmender Primärerfahrung und
zunehmender Umweltferne lohnt es sich, den Wald nicht nur als
schützenswertes Biotop, sondern als Spiel-, Erfahrungs- und
Erlebnisraum kennen zu lernen und anzunehmen.
Letztendlich erreicht man dadurch auch wieder ein Ziel des
Naturschutzes, denn ich schütze nur wirksam was ich kenne und liebe.
Geplant ist etwa ein Termin alle vier bis sechs Wochen, bei nahezu
jedem Wetter, solange die Bäume senkrecht stehen.
Gedacht ist dabei an:
- Sinneserfahrung (z.B. Fühl- und Tastübungen, Lauschaufträge, Beobachtungsaufträge…)
- Das Heranführen und Meistern „abenteuerlicher“ Situationen
(Orientierungsübungen,
Schatzsuche, Klettern, Überwinden von Hindernissen, etc.) - Gestalterische Erfahrungen (Frottagen, Gestalten mit Naturmaterialien, Skulpturen
mit Ästen, Müll, Steinen…, Land art Projekte, etc.)
Stets werden soziale Erfahrungen gemacht, die in der alters– und jahrgangsgemischten OGS – Gruppe zu einer Verbesserung des Sozialklimas führen und ein verstärktes Gruppengefühl erzeugen.
- Gruppe: ca. 20 Kinder der OGS
- Zeit: Etwa alle 4 – 6 Wochen, von 14.00 – 16.00 Uhr.
- Ausstattung: Wettergerechte Kleidung, die schmutzig werden kann, gutes, festes Schuhwerk, ggf. Gummistiefel, Rucksack, Plastiktüte zum Sammeln von Gegenständen, ggf. Getränk in unzerbrechlichem und dichtem Gefäß.
Wolfgang Köhler,
Januar 2008

